Hier wollen wir Probleme auflisten, die an der Phillipps-Universität Marburg für Studierende auftreten. Viele davon finden sich in ähnlichen Form an anderen Hochschulen bundesweit und international wieder, andere sind sehr spezifisch.
Leider ist diese Aufzählung immer am Wachsen und dauernd Work-In-Progress. Für ganz aktuelle Themen und Informationen schaut ihr am besten zusätzlich in unsere News.

Studienbedingungen

Für uns Studierende ist der Studienalltag in der Lehre das wichtigste Thema. Schließlich geht es an’s Eingemachte, wenn wir wegen Überfüllung aus Seminaren geworfen werden, in Vorlesungen auf dem Boden sitzen müssen oder keinen Laborplatz bekommen. Anwesenheitslisten, strenge bis scheinbar bösartige Lehrpersonen und gelangweilte Tutorinnen machen uns zusätzlich das Leben schwer. Dazu kommt die bauliche Situation der Philipps-Uni: Im Sommer stickig und im Winter schlecht isoliert. Wenigstens gibt es in Hessen keine Studiengebühren mehr. Jedenfalls nicht so richtig. Mehr über problematische Studienbedingungen

Demokratie

Viele von euch haben es vielleicht schon mitbekommen: Die Uni und die Studis „verwalten sich selbst“, d.h. es gibt Gremien, in denen Mitglieder der Uni sitzen, die gewählt werden und die entscheiden, was für Leute an der Uni lehren, unter welchen Bedingungen studiert wird, wofür Geld ausgegeben wird und vieles mehr. Leider ist das ganze nicht so wirklich demokratisch und nur selten im Sinne der Studierenden. Denn Profs müssen per Gesetz (fast) immer die absolute Mehrheit in den Gremien halten, das Präsidium kann sich eigentlich über fast jede Entscheidung hinwegsetzen, wenn denn überhaupt vorher drüber geredet wurde. In den letzten Jahren ist dann auch noch ein weiteres Gremium eingeführt worden, nämlich der Hochschulrat, welcher u.a. von Menschen aus der Privatwirtschaft besetzt wird (in Marburg überwiegend aus der Pharmaindustrie) und das Präsidium der Uni beraten soll. Dass die Einführung des Hochschulrats die Entdemokratisierung der Uni nur noch weiter verstärkt, muss wohl nicht weiter erläutert werden.

Finanzierung

Bildung ist ein Menschenrecht. Aber kostet Geld. Den Großteil der Uni finanziert noch (!) das Land Hessen. Aber gerade mit dem aktuellen Hochschulpakt 2011-2015 fängt es an, Geld umzuverteilen und diese Verantwortung abzugeben. So wird die Uni noch abhängiger von Drittmitteln, also Geldern, die von Dritten, nämlich von Firmen, Stiftungen oder externen Instituten, an die Uni gegeben werden. Im Gegenzug erhalten diese Zugriff auf Forschungsergebnisse oder können gleich entscheiden, an was überhaupt geforscht wird. Das hat vor allem zur Folge, dass die Qualität von Forschung und Lehre sinkt. Aber das ist nicht das einzige Problem: Denn die Hochschule wird somit immer mehr zu einem Betrieb der mit anderen um den „Standort“ konkurriert, statt ihrer öffentlichen Aufgabe gerecht zu werden. Studis werden dadurch zu reinen Kosten/Nutzen-Faktoren.

Soziales

Das Studi-Leben wird hoch gepriesen und ist ja auch tatsächlich angenehmer als ein 8-Stunden-Tag in der Autofabrik, aber trotzdem kein Zuckerschlecken. An Studis, vor allem in Marburg, wird auch noch das letzte Kellerloch für 200€ kalt vermietet. Das BAFöG ist selten genug und der Mensch auf dem Amt meist unfreundlich. Oft muss nebenher gejobbt werden, Grabscherein in der Kneipe und miese Arbeitsbedingungen inklusive. Auch das gehört zu unserem Alltag.

Bildungspolitik

Wofür lernen wir eigentlich? Für uns selbst, für unsere zukünftige Lohnarbeit, für die Gesellschaft, für das Leben? Was ist Wissenschaft? Ist das nur die Neugier des Menschen oder steckt da mehr dahinter? Und was ist kritische Wissenschaft? Und warum sind fast alle Professuren mit Männern besetzt? Wird an der Uni Militärforschung betrieben?

Der rechte Rand?

Auch wenn Marburg uns manchmal wie ein einziger Freundeskreis vorkommt, sind wir nicht allein an der Uni. Da sind zum Beispiel noch diese Leute mit Mützchen und Schleife um den Bauch (Verbindungsstudierende), oder Leute die heulende Wölfe mit 3 Sichelmonden cool finden (Graue Wölfe), christliche Fundamentalist_innen die Homosexualität „heilen“ wollen (Evangelikale) oder Leute die meinen, Feminismus sei ein unnötiger Überbleibsel aus der 68er Bewegung (also ziemlich viele). Kurz um: Rechtskonservative bis Neonazis sind kein Phänomen, dass immer nur in der anderen Stadt auftritt, sondern überall.