Fundstücke aus dem Netz – Aufruf zur RosaundKarl – Demo in Berlin

Folgenden Aufruf fanden wir im netz und stellen ihn Online, weil wir ihn gut finden. Auch wenn die komplette Veranstaltungsreihe leider bald vorbei ist, stellen wir den Aufruf online. Wer mehr sucht zu dem Aufruf, ihr findet das schon heraus

„Fra­gend bli­cken wir zu­rück.
Fra­gend schrei­ten wir voran.“

Die Er­in­ne­rung an be­stimm­te his­to­ri­sche Ent­wick­lun­gen und ihre Ana­ly­se sind be­deu­ten­der Teil un­ter­schied­lichs­ter „lin­ker“ Be­we­gun­gen. Je nach theo­re­ti­schem An­satz er­füllt hier­bei die Aus­ein­an­der­set­zung mit Ge­schich­te ver­schie­de­ne Funk­tio­nen. Vor über einem Jahr haben wir uns in den Dis­kurs um das Er­in­nern an die Er­mor­dung von Rosa Lu­xem­burg und Karl Lieb­knecht ein­ge­mischt. Im Ja­nu­ar 2013 fan­den eine Ak­ti­ons­wo­che und eine De­mons­tra­ti­on zum Ge­den­ken an die Kämp­fe der Jahre 1918/19 statt. Wir ste­hen auch wei­ter­hin für einen kri­ti­schen Blick auf linke Ge­schich­te:
Die Ge­schich­te des Ka­pi­ta­lis­mus ist das Er­geb­nis his­to­ri­scher Macht­kämp­fe und sie wird von den Herr­schen­den ge­schrie­ben. Wir set­zen auf eine an­de­re Form der Er­zäh­lung. Ge­schich­te ist nicht sta­tisch, sie ist viel­schich­tig, wird von vie­len er­lebt und ge­macht und ist durch­aus auch wi­der­sprüch­lich. Sie ist nicht zwangs­läu­fig. Für uns be­deu­tet eine al­ter­na­ti­ve Ge­schichts­er­zäh­lung auch, die Ideen, Ge­dan­ken und Theo­ri­en für die z. B. Rosa Lu­xem­burg stand, in den Vor­der­grund zu rü­cken und sich mit ihnen kri­tisch aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Vor der Er­mor­dung Rosa Lu­xem­burgs und Karl Lieb­knechts flamm­ten im Ja­nu­ar­auf­stand die nicht ein­ge­lös­ten Hoff­nun­gen auf einen so­zia­lis­ti­schen Wan­del wie­der auf. In Folge der Er­mor­dung der Bei­den spitz­ten sich diese Hoff­nun­gen noch ein­mal in den Aus­ru­fun­gen der Rä­te­re­pu­bli­ken von Bre­men bis Mün­chen zu. Die Ver­ab­schie­dung der Wei­ma­rer Ver­fas­sung am 11. Au­gust 1919 stell­te das for­ma­le Ende der schon im Mai nie­der­ge­schla­ge­nen Kämp­fe dar.

Wenn wir heute Rosa und Karl ge­den­ken, be­deu­tet dies, sich die Nie­der­la­ge ihres Kamp­fes be­wusst zu ma­chen. Wir möch­ten aber auch daran er­in­nern, dass eine von Aus­beu­tung und Zwang be­frei­te Welt mög­lich war und ist. Ende 1918 An­fang 1919 be­stand die Hoff­nung auf eine so­zia­lis­ti­sche Re­pu­blik in Deutsch­land. Ob diese im Er­geb­nis frei­heit­lich ge­we­sen wäre, bleibt offen. Die Re­vo­lu­ti­on in Russ­land hat in trau­ri­ger Weise vor­ge­führt, wie eine be­rech­tig­te so­zia­lis­ti­sche Hoff­nung zu­nich­te ge­macht wurde. So hat sie mit dem Sta­li­nis­mus eines der men­schen­feind­lichs­ten Sys­te­me des 20. Jahr­hun­derts her­vor­ge­bracht. Doch lässt uns die Be­trach­tung der Ge­schich­te nicht ver­za­gen, son­dern mutig und sen­si­bel wer­den. Mutig, weil sie zeigt: Ver­än­de­run­gen sind mög­lich. Sen­si­bel, weil wir wis­sen: Neben allen zu er­kämp­fen­den Ver­bes­se­run­gen be­steht Ge­fahr, dass Hoff­nun­gen und Er­war­tun­gen ent­täuscht wer­den. Unser An­spruch ist es, an die Wi­der­sprü­che in­ner­halb der Ge­schich­te der Ar­bei­ter*in­nen­be­we­gung zu er­in­nern. Nur aus der Aus­ein­an­der­set­zung mit der Wi­der­sprüch­lich­keit kann eine eman­zi­pa­to­ri­sche Po­li­tik für die Ge­gen­wart her­vor­ge­hen. Denn all diese Wi­der­sprü­che zei­gen eines: Es gibt keine ein­fa­che Ge­schich­te, kein sim­ples Schwarz und Weiß.

Ge­ra­de des­halb set­zen wir uns für ein eman­zi­pa­to­ri­sches Ge­den­ken ein, das die Wi­der­sprüch­lich­keit die­ser Welt aus­hält. Eine „linke“ Hei­li­gen­ver­eh­rung mit über­gro­ßen Por­träts ver­meint­li­cher Po­lit-​Iko­nen, un­kri­tisch an­ein­an­der­ge­reiht passt nicht zu un­se­rer Form des Ge­den­kens. Das ist in un­se­ren Augen po­li­ti­sche Re­li­gi­on, zu­tiefst re­ak­tio­när und dog­ma­tisch.

Unser Ge­den­ken – und damit eine ge­sam­te Ver­an­stal­tungs­wo­che – und un­se­re De­mons­tra­ti­on ste­hen im Zei­chen eines Ein­tre­tens für eine bes­se­re Ge­sell­schaft jetzt und hier! Aus­beu­tung und Ar­beits­zwang auf der einen, Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit auf der an­de­ren Seite. Nicht ein­ge­lös­te Glücks­ver­spre­chen eines guten Le­bens für alle, Per­spek­tiv­lo­sig­keit bei jun­gen und alten Men­schen, ein auf die Ver­wer­tung so­ge­nann­ter „Hu­man­res­sour­cen“ aus­ge­rich­te­tes Bil­dungs­sys­tem, na­tio­na­ler Wirt­schafts­pro­tek­tio­nis­mus , ein un­so­li­da­ri­sches Eu­ro­pa, ge­prägt von einer Er­star­kung der Rech­ten und die ras­sis­ti­schen Auf­mär­sche von Bür­ger*innen in Ber­lin-​Hel­lers­dorf, Du­is­burg , Schnee­berg und an­ders­wo– all dies hat in einer Ge­sell­schaft der Frei­en und Glei­chen kei­nen Platz!

Als Ju­gend­ver­bän­de in der Tra­di­ti­on der Ar­bei­ter*in­nen­ju­gend sind wir nicht be­reit, die men­schen­un­wür­di­gen Be­din­gun­gen, die der Ka­pi­ta­lis­mus schafft, wei­ter hin­zu­neh­men. Als Ju­gend sind wir ge­for­dert auf­zu­ste­hen, uns zu bil­den und zu or­ga­ni­sie­ren, um den be­ste­hen­den Ver­hält­nis­sen eine Ge­sell­schaft ohne Aus­beu­tung und Zwang ent­ge­gen­zu­set­zen.
Wir rufen auf: Kommt zur Auf­takt­ver­an­stal­tung am 4. Ja­nu­ar, nehmt teil an un­se­ren Ver­an­stal­tun­gen vom 4. – 11. Ja­nu­ar und de­mons­triert mit uns am 12. Ja­nu­ar auf der Stra­ße!
„Wir müs­sen nichts so ma­chen wie wirs ken­nen, nur weil wirs ken­nen wie wirs ken­nen.“ (Die Ster­ne)